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Reiterferien an der Nordsee

Endlich! Ich, Sophie Mertens, 12 Jahre, darf zum ersten Mal Ferien auf einem Reiterhof machen. Es geht an die Nordsee. Meine Freundinnen haben mich natürlich total bestürmt, bevor es losging:“ Du musst alles für uns aufschreiben, Sophie! Wie das ist, wenn man ankommt und niemanden kennt. Ob man sich mit den anderen Mädchen verträgt. Wie die Pflegepferde sind. Und natürlich die Reitlehrer.“ Okay- hier ist mein Tagebuch. Ich habe jede Kleinigkeit notiert, die in dieser Woche passiert ist.


Samstag. Puuh- ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan! Trotzdem bin ich hellwach, als mein Vater am nächsten Tag endlich mit dem Auto auf dem Reiterhof bei Büsum vorfährt. Scheint so, als hätte ich einen Volltreffer gelandet! Das große Bauernhaus gleich hinterm Deich ist superschön. Der Nordseewind bläst kräftig und pustet mich richtig durch, als ich aussteige.
Das Erste, was ich auf dem Hof erblicke ( oder besser: der Erste) ,ist der Hofbesitzer. Willi Hennings heißt er und sieht unheimlich nett aus. Er zeigt mir mein Ferien- Zuhause- ein Dreibettzimmer im ersten Stock. Er meint, ich soll am besten gleich auspacken. aber kaum sind er und mein Vater weg, fliegt meine Reisetasche in die Ecke. Erstmal muss ich zum Fenster und mir den Reiterhof von oben anschauen! Wer kann ans auspacken denken, wenn draußen die Pferde warten? Über die Reithalle und den Springplatz kann ich direkt auf die Weide gucken. Cool! Eine richtige XXL-Weide. Riesig. Ganz hinten entdecke ich die Pferde. Ich schätze, so an die 30 bis 40. Oder noch mehr? Welches davon wohl mein Pflegepferd wird?
Dann treffen die anderen beiden Reitermädchen für mein Zimmer ein. Sarah und Sandra. Sie sind so alt wie ich, und auch noch nie hier gewesen. Wir beschließen, uns das „ 3-S-Zimmer“ zu nennen- weil unsere Vornamen alle mit „S“ anfangen. Jetzt aber zu den Pferden!
Es hat vorhin kurz geregnet. Das passiert hier an der Küste öfter. Wir umrunden eine riesige Pfütze auf dem Hof. Zwei kleinere Mädchen spielen „ Untergang der Titanic“. Die beiden- Melinda und Jasmin- sind schon seit einer Woche da. Jasmin soll das Schiff sein. Sie protestiert. „ Das war ich doch erst gestern.“ Wer Titanic ist, wird nämlich in den Matsch geworfen. Schließlich einigen sie sich, dass Jasmin nur bis zum Stiefelrand in die Pfütze muss. Das ist kein richtiger Untergang, nur so ein verwässerter, aber immerhin...
Wir setzten uns auf das Gatter und gucken den Pferden zu. Immer mehr Mädchen kommen. Viele sind das erste Mal da. Ein paar reiten schon länger, viele erst kurze Zeit. So wie ich. Endlich erscheint Katharina, die Reitlehrerin. „ Na, ihr brennt doch sicher darauf, euer Pflegepferd kennen zu lernen?“, fragt sie und lacht. Sie hat recht, logisch. Wir gehen zusammen auf die Weide.
Mein Herz klopft wie irre, als sie ein großes Schimmelpony für mich aussucht und es mir am Halfter übergibt. Mein „Kalli“ ist total süß. Er stupst mich gleich vertrauensvoll mit der Nase an. Sarah bekommt Erwin, einen frechen Shetlandwallach, und Sandra das fröhliche Fuchspony Zorro.
Beim Abendessen stellt sich das ganze Reiterhof-Team vor. Außer den Chefs ( Willi und Katharina) gibt es noch vier Betreuerinnen, alle ungefähr 18 Jahre alt. Sie helfen beim Satteln und so. Klingt alles ziemlich gut. Wer keine Reitkappe hat, kriegt eine geliehen. Ich habe meine eigene dabei, auch Reitstiefel. Allerdings keine Reithose, aber Jeans genügen auch.
Sonntag. Beim Frühstück rücken wir mit den Mädchen aus unserem Nebenzimmer zwei Tische zusammen. Das ist total gemütlich. Ich esse drei halbe Brötchen!!! Wenn das Mama wüsste. Zu Hause kriege ich morgens nie etwas herunter. Kein Wunder, wenn der Mathelehrer wartet, statt eines süßen Ponys...
In der ersten Reitstunde sitze ich mit zitternden Knien auf Kalli. Bestimmt mache ich alles falsch. Aber Katharina ist total nett und meckert an keinem von uns herum. Reiten ist einfach mega-genial!
Montag. Hochspannung! Heute soll ein Fohlen geboren werden, von Stupsy, der braunen Shettystute. Das tollste ist: Wir dürfen den Namen aussuchen. Logisch, er muss aus dem Film „ Titanic“ stammen. Schließlich einigen wir uns „ Celine“ für ein Stutenfohlen und „DiCaprio“ für ein Hengstfohlen.
„Hoffentlich wird es kein Hengst“, stöhnt Annika, unsere Betreuerin. „Stellt euch bloß vor, ich muss demnächst rufen: `DiCaprio, bitte antraben`“
Das winzige Shetland- baby kam ganz heimlich auf die Welt. Ohne dass es jemand merkte. Es ist ein Stutenfohlen- Celine. Annika strahlt.
Dienstag bis Donnerstag. Die letzten drei Tage bin ich einfach nicht zum Tagebuchschreiben gekommen! Nach dem Frühstück ging es gleich zu den Pferden- putzen, reiten, Mittagessen, wieder reiten, Abendessen. Zweimal haben wir abends gegrillt. Und einmal sind wir an einem See zum Schwimmen gefahren. abends haben wir immer noch witzige Spiele gemacht. Ja, und dann sind wir hundemüde ins Bett gefallen und haben trotzdem noch die halbe Nacht geredet. Worüber? Natürlich über die Pferde.
Freitag. Abschiedstag. Wie kommt es, dass eine Reiterhofwoche viel schneller herumgeht als eine Schulwoche? Gerade war unsere letzte Reitstunde. Morgen hat mein heißgeliebter Kalli schon ein anderes Pflegemädchen. Sarahs Pony auch. Genau wie Sandras Zorro. wenn wir daran denken, möchten wir am liebsten heulen. Und für immer hier bleiben. Oder unsere Lieblingspferde in die Reisetasche packen und mitnehmen. Aber das geht ja schlecht.
Natürlich haben wir schon Adressen getauscht. Und wir haben uns fest versprochen, nächstes Jahr zur gleichen Zeit wieder hier zu sein- im „3-S-Zimmer“ auf dem Reiterhof.
Auf unserem Reiterhof sagen wir jetzt...

Aus dem  Buch „Das Wolkenpferd“ von Margot Berger
leider ist es schon ausverkauft !